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Incoterms bei RoRo einfach erklärt: FOB, CIF, DAP im Ueberblick
Juni 2, 2026
Lesezeit: 6 minutes
Incoterms sind internationale Handelsklauseln, die festlegen, wer bei einer Verschiffung welche Kosten und Risiken traegt. Bei RoRo-Verschiffung sind vor allem FOB (Free on Board), CIF (Cost, Insurance, Freight), CFR (Cost and Freight), DAP (Delivered at Place) und DDP (Delivered Duty Paid) relevant. Die Wahl des richtigen Incoterms bestimmt, ab welchem Punkt die Verantwortung vom Verkaeufer auf den Kaeufer uebergeht.
Kurzantwort in 5 Bullet Points
Incoterms regeln die Verteilung von Kosten, Risiken und Pflichten zwischen Verkaeufer und Kaeufer im internationalen Handel.
FOB (Free on Board) ist der haeufigste Incoterm bei RoRo und uebertraegt die Verantwortung ab Verladung auf den Kaeufer.
CIF (Cost, Insurance, Freight) beinhaltet Fracht und Versicherung – ideal, wenn der Verkaeufer den Transport organisiert.
DAP (Delivered at Place) bedeutet, dass der Verkaeufer bis zum Bestimmungsort liefert, aber der Kaeufer die Einfuhrabfertigung uebernimmt.
DDP (Delivered Duty Paid) bietet dem Kaeufer maximalen Komfort, da der Verkaeufer alle Kosten bis zur Anlieferung traegt.
Was sind Incoterms und warum sind sie wichtig?
Incoterms (International Commercial Terms) sind von der Internationalen Handelskammer (ICC) standardisierte Klauseln, die im internationalen Handel die Pflichten, Kosten und Risiken zwischen Verkaeufer und Kaeufer regeln. Die aktuelle Fassung ist Incoterms 2020.
Bei jeder internationalen Verschiffung – auch bei RoRo – muessen beide Parteien klar vereinbaren, wer fuer welchen Teil des Transports verantwortlich ist. Ohne eine solche Vereinbarung kommt es haeufig zu Missverstaendnissen und Streitigkeiten ueber Kostenverteilung und Haftung.
Die Incoterms klaeren drei zentrale Fragen:
Kostenuebergang: Ab welchem Punkt traegt der Kaeufer die Transportkosten?
Risikouebergang: Ab welchem Punkt traegt der Kaeufer das Verlust- und Beschaedigungsrisiko?
Pflichten: Wer organisiert Transport, Versicherung, Zollabfertigung und Dokumentation?
Fuer RoRo-Verschiffungen sind nicht alle elf Incoterms relevant. Im Folgenden konzentrieren wir uns auf die fuenf wichtigsten Klauseln fuer den Fahrzeugtransport.
Was bedeutet FOB (Free on Board) bei RoRo?
FOB – Free on Board – ist der am haeufigsten verwendete Incoterm bei RoRo-Verschiffungen. Er bedeutet, dass der Verkaeufer das Fahrzeug im Abgangshafen auf das Schiff verlaedt und alle Kosten und Risiken bis zu diesem Punkt traegt.
Sobald das Fahrzeug an Bord des RoRo-Schiffes ist, gehen alle Kosten und Risiken auf den Kaeufer ueber. Der Kaeufer traegt also die Seefracht, die Versicherung und alle Kosten im Zielhafen.
FOB im RoRo-Kontext bedeutet konkret:
Verkaeufer: Transport zum Hafen, Exportabfertigung, Hafengebuehren, Verladung auf das Schiff
FOB ist die empfohlene Wahl, wenn Sie als Kaeufer die Kontrolle ueber den Seetransport und die Versicherung behalten moechten. Sie koennen dann Ihre eigene Reederei und Versicherung waehlen.
Wie funktioniert CIF (Cost, Insurance, Freight) bei Fahrzeugtransport?
CIF – Cost, Insurance, Freight – bedeutet, dass der Verkaeufer neben den Kosten fuer die Ware auch die Seefracht und eine Mindestversicherung bis zum Zielhafen traegt. Der Risikouebergang erfolgt jedoch bereits bei der Verladung im Abgangshafen.
Das ist ein wichtiger Unterschied: Obwohl der Verkaeufer die Fracht und Versicherung bezahlt, traegt der Kaeufer das Risiko ab dem Moment der Verladung. Die vom Verkaeufer abgeschlossene Versicherung deckt nur das Minimum (ICC C) ab – fuer hochwertigen Schutz sollten Sie eine eigene Zusatzversicherung abschliessen.
Pflicht
Verkaeufer
Kaeufer
Transport zum Abgangshafen
Ja
Nein
Exportabfertigung
Ja
Nein
Seefracht
Ja
Nein
Transportversicherung (Minimum)
Ja
Nein
Risikouebergang
Ab Verladung
Ab Verladung
Einfuhrabfertigung
Nein
Ja
Einfuhrzoelle
Nein
Ja
Entladung im Zielhafen
Nein
Ja
CIF ist haeufig bei internationalen Fahrzeugverkaeufen zu finden, bei denen der Verkaeufer den Transport organisiert. Achten Sie als Kaeufer darauf, den Deckungsumfang der enthaltenen Versicherung zu pruefen.
Was unterscheidet CFR (Cost and Freight) von CIF?
CFR – Cost and Freight – ist dem CIF-Incoterm sehr aehnlich, jedoch ohne die Versicherungskomponente. Der Verkaeufer traegt die Kosten fuer die Ware und die Seefracht bis zum Zielhafen, schliesst aber keine Transportversicherung ab.
Der Risikouebergang erfolgt – wie bei CIF – bereits bei der Verladung im Abgangshafen. Das bedeutet: Obwohl der Verkaeufer die Fracht zahlt, liegt das Transportrisiko beim Kaeufer.
Bei CFR muessen Sie als Kaeufer selbst eine Transportversicherung abschliessen. Das gibt Ihnen die Freiheit, den Deckungsumfang und den Versicherer selbst zu waehlen – allerdings tragen Sie auch die Verantwortung dafuer.
CFR wird bei RoRo-Verschiffungen weniger haeufig verwendet als FOB oder CIF, kommt aber vor allem bei Handelsgeschaeften vor, bei denen der Verkaeufer bestehende Frachtvertraege nutzen moechte.
Wann ist DAP (Delivered at Place) die richtige Wahl?
DAP – Delivered at Place – geht deutlich weiter als FOB oder CIF. Der Verkaeufer traegt alle Kosten und Risiken bis zu einem vereinbarten Bestimmungsort im Zielland – zum Beispiel ein Lager, ein Terminal oder die Adresse des Kaeufers.
Der Kaeufer uebernimmt erst am Bestimmungsort und ist nur fuer die Einfuhrabfertigung, die Einfuhrzoelle und die Entladung am Zielort verantwortlich.
DAP ist besonders attraktiv fuer Kaeufer, die sich nicht um den internationalen Transport kuemmern moechten:
Der Verkaeufer organisiert und bezahlt den gesamten Transport bis zum Bestimmungsort.
Der Verkaeufer traegt das Transportrisiko bis zur Ankunft.
Der Kaeufer kuemmert sich nur um Einfuhrzoll, Steuern und Entladung.
Ideal fuer Kaeufer ohne Erfahrung im internationalen Versand.
Beachten Sie: DAP beinhaltet keine Einfuhrabfertigung. Wenn Sie als Kaeufer auch diese Aufgabe dem Verkaeufer ueberlassen moechten, ist DDP die bessere Wahl.
Was bedeutet DDP (Delivered Duty Paid) fuer den Kaeufer?
DDP – Delivered Duty Paid – bietet dem Kaeufer den maximalen Komfort. Der Verkaeufer traegt saemtliche Kosten und Risiken, einschliesslich Einfuhrzoll, Steuern und aller Gebuehren bis zum vereinbarten Bestimmungsort.
Der Kaeufer muss lediglich das Fahrzeug am Bestimmungsort entgegennehmen. Alle anderen Kosten – Transport, Versicherung, Zoll, Steuern – sind im Kaufpreis enthalten.
DDP stellt die hoechsten Anforderungen an den Verkaeufer:
Der Verkaeufer muss sich im Zielland mit den Zollvorschriften auskennen.
Der Verkaeufer traegt das Risiko von Zollverzoegerungen und Steueraenderungen.
Der Verkaeufer muss moeglicherweise im Zielland als Importeur registriert sein.
Die Kalkulation ist fuer den Verkaeufer komplex, fuer den Kaeufer maximal transparent.
DDP ist bei RoRo-Verschiffungen eher selten, kommt aber bei professionellen Fahrzeughaendlern und Umzugsdienstleistern vor, die einen Rundum-Service anbieten.
Welcher Incoterm ist fuer Ihre RoRo-Verschiffung am besten?
Die Wahl des richtigen Incoterms haengt von Ihrer Situation ab. Die folgende Entscheidungshilfe gibt Ihnen Orientierung:
Situation
Empfohlener Incoterm
Begruendung
Sie moechten selbst den Transport steuern
FOB
Maximale Kontrolle ueber Fracht und Versicherung
Der Verkaeufer soll Transport und Versicherung organisieren
CIF
Bequem, aber pruefen Sie den Versicherungsumfang
Sie moechten sich um nichts kuemmern ausser Zoll
DAP
Verkaeufer liefert bis zum Bestimmungsort
Sie moechten einen Komplett-Service
DDP
Alles inklusive bis zur Uebergabe
Verkaeufer hat Frachtvertraege, Sie wollen eigene Versicherung
CFR
Fracht vom Verkaeufer, Versicherung vom Kaeufer
Wichtig: Stimmen Sie den Incoterm immer schriftlich im Kaufvertrag ab und stellen Sie sicher, dass beide Parteien die Bedeutung verstehen. Missverstaendnisse bei Incoterms fuehren haeufig zu unerwarteten Kosten und Streitigkeiten.
Welche praktischen Auswirkungen haben Incoterms auf Ihre Verschiffung?
Incoterms sind nicht nur juristische Klauseln – sie haben ganz konkrete Auswirkungen auf Ihre Verschiffung:
Kostenkalkulation: Der Incoterm bestimmt, welche Kosten im Kaufpreis enthalten sind und welche zusaetzlich anfallen. Bei FOB muessen Sie Fracht und Versicherung separat kalkulieren.
Versicherungsschutz: Bei CIF ist nur eine Mindestversicherung enthalten. Bei FOB und CFR muessen Sie selbst eine Police abschliessen. Pruefen Sie immer den tatsaechlichen Deckungsumfang.
Zollwert: Der Zollwert wird in vielen Laendern auf CIF-Basis berechnet. Selbst wenn Sie FOB vereinbart haben, addiert der Zoll die Fracht- und Versicherungskosten fuer die Zollbewertung hinzu.
Dokumentation: Je nach Incoterm sind unterschiedliche Dokumente erforderlich. Bei DDP muss der Verkaeufer auch Einfuhrdokumente bereitstellen.
Risikoverteilung: Beachten Sie, dass Kostenuebergang und Risikouebergang nicht immer am gleichen Punkt stattfinden. Bei CIF zahlt der Verkaeufer die Fracht, aber das Risiko geht schon bei der Verladung auf den Kaeufer ueber.
Lassen Sie sich bei Unsicherheiten von Ihrem Spediteur oder einem Handelsrechtsexperten beraten. Die richtige Incoterm-Wahl kann Ihnen erhebliche Kosten und Risiken ersparen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Was ist der haeufigste Incoterm bei RoRo-Verschiffung?
FOB (Free on Board) ist der am haeufigsten verwendete Incoterm bei RoRo-Verschiffungen. Er ist klar strukturiert und gibt dem Kaeufer die Kontrolle ueber Fracht und Versicherung.
Ist die Versicherung bei CIF ausreichend?
Die bei CIF enthaltene Versicherung deckt nur das Minimum nach ICC-C-Klausel ab. Fuer hochwertige Fahrzeuge empfehlen wir, eine eigene All-Risk-Zusatzversicherung abzuschliessen.
Wer zahlt den Zoll bei FOB?
Bei FOB traegt der Kaeufer alle Kosten ab der Verladung im Abgangshafen, einschliesslich Seefracht, Versicherung, Einfuhrzoll und Steuern im Zielland.
Was ist der Unterschied zwischen DAP und DDP?
Bei DAP liefert der Verkaeufer bis zum Bestimmungsort, aber der Kaeufer zahlt Einfuhrzoll und Steuern. Bei DDP traegt der Verkaeufer auch diese Kosten – der Kaeufer erhaelt ein Komplettpaket.
Kann ich den Incoterm nach der Buchung aendern?
Eine Aenderung des Incoterms nach Vertragsabschluss ist nur mit Zustimmung beider Parteien moeglich. Klaeren Sie den Incoterm daher immer vor der Buchung verbindlich.
Beeinflussen Incoterms die Zollberechnung?
Ja, in vielen Laendern wird der Zollwert auf CIF-Basis berechnet. Selbst bei FOB-Vereinbarungen werden Fracht und Versicherung fuer die Zollbewertung hinzugerechnet.
Fazit
Incoterms sind ein wesentlicher Bestandteil jeder internationalen Verschiffung und bestimmen, wer welche Kosten und Risiken traegt. Bei RoRo-Verschiffungen sind FOB, CIF und DAP die gaengigsten Klauseln. Die richtige Wahl haengt von Ihrer Erfahrung, Ihren Ressourcen und Ihrem gewuenschten Kontrollgrad ab.
Vereinbaren Sie den Incoterm immer schriftlich im Kaufvertrag und stellen Sie sicher, dass beide Seiten die Pflichten, Kosten und Risiken korrekt verstehen. Im Zweifelsfall ist eine professionelle Beratung die beste Investition.
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