Wohnmobil verschiffen: Container oder RORO?

November 20, 2025
Lesezeit: 3 minutes

Wer ein Reisefahrzeug über den Ozean bringen möchte – ob Campervan, Kastenwagen, Alkoven oder Expeditionsmobil – steht vor der Grundsatzfrage: Container vs RORO für Wohnmobil? Beide Verfahren haben klare Stärken, aber auch Grenzen. In diesem Leitfaden vergleichen wir Sicherheit, Handling, Maße/Limitierungen, Abläufe im Hafen, Dokumente, Laufzeiten und Kostenfaktoren. Außerdem gibt’s eine konkrete Checkliste, eine Pro-/Kontra-Tabelle und ein FAQ mit Schema-Markup für maximale Auffindbarkeit.

Kurzfassung: RORO (Roll-on/Roll-off) ist oft die erste Wahl für größere, fahrfähige Wohnmobile mit Dachanbauten oder Aufbauten. Container punktet bei kompakten Vans sowie bei maximaler Abschottung der Ladung – vorausgesetzt, die Türöffnung und Innenmaße passen. Für die finale Entscheidung zählt Ihr individuelles Fahrzeugprofil.

Wie Sie richtig entscheiden

Die Entscheidung Container vs RORO für Wohnmobil hängt primär von vier Parametern ab:

  • Fahrzeugmaße (Länge/Breite/Höhe) inkl. Anbauten wie Dachzelt, Solarpanels, Ersatzradträger.
  • Rollfähigkeit (fahrbereit, lenk- und bremsfähig) und Bodenfreiheit (Rampenneigung).
  • Sicherheits- und Schutzbedürfnis (vollständig abgeschlossene Einheit vs. Fahrzeugdeck).
  • Routenverfügbarkeit & Laufzeiten (Direktlauf, Umladung, Hafenrotation).

Option 1: Wohnmobil per RORO (Roll-on/Roll-off)

Prinzip: Das Fahrzeug fährt über eine Rampe direkt an Bord, wird auf dem Fahrzeugdeck gemäß Stauplan positioniert und durch die Crew nach Cargo Securing Manual (CSM) gesichert. Das reduziert Kranhandling und beschleunigt den Hafenprozess.

Vorteile RORO

  • Große Toleranzen bei Maßen: Auch hohe Offroad-Mobile, Alkoven und Aufbauten passen oft problemlos.
  • Weniger Umschlagrisiko: Kein Kraneinsatz für das Fahrzeug selbst.
  • Klare Cut-offs & Routinen: Terminalprozesse sind auf Fahrzeugfluss getaktet.
  • Planbares Handling: Boarding/De-boarding durch geschultes Personal.

Herausforderungen RORO

  • Innenraum muss leer sein (keine losen privaten Gegenstände).
  • Tankstand meist auf ≤ 25 % begrenzt; Batterie-Vorgaben der Reederei beachten.
  • Deckumfeld: Das Fahrzeug steht nicht in einer "Kiste", sondern gesichert auf dem Deck/Deckbereich.

Weiterlesen: Was muss ich bei einer RoRo-Verschiffung beachten?

Option 2: Wohnmobil im Container (z. B. 40’ High Cube)

Prinzip: Das Fahrzeug wird in einen geschlossenen Stahlcontainer gefahren bzw. mithilfe von Rampen/Equipment hineingebracht und innen verzurrt. Besonders wichtig sind Türöffnung und Innenhöhe.

Typischer Referenzwert: Innen Breite ca. 2,35 m, Höhe ca. 2,70 m, Türöffnung ca. 2,34 m breit und ca. 2,58 m hoch. Bitte immer die konkrete Spezifikation prüfen.

Vorteile Container

  • Geschlossene Einheit: Maximale Abschottung gegen Umwelteinflüsse.
  • Zusatzschutz vor Sichtkontakt; Siegel/Plombe dokumentiert Unversehrtheit.
  • Intermodale Weiterführung per Bahn/Truck einfach möglich.

Herausforderungen Container

  • Türöffnung als Engpass: Viele Camper scheitern an Türhöhe/-breite oder Aufbauten.
  • Zurr-/Sicherungsaufwand im Container (Holzkeile, Gurte, Blockings).
  • Handling/Verfügbarkeit: Spezialrampen, Platzbedarf im Packbetrieb, ggf. Zusatzkosten.

Pro-/Kontra-Tabelle: Container vs RORO für Wohnmobil

KriteriumROROContainer (40’HC)
Eignung nach GrößeSehr gut für hohe/breite FahrzeugeGut für kompakte Vans; kritisch bei Höhe/Breite
Umschlag/HandlingFährt selbst an BordEinbringen über Rampen; Zurrarbeit nötig
Schutz/AbschottungGesichertes DeckumfeldMaximaler physischer Abschluss
DokumentationStandardisierte ProzessePackreport/Zurrplan sinnvoll
FlexibilitätHäufige AbfahrtenAbhängig von Container/Packbetrieb
BesonderheitenTank ≤ 25 %, Innenraum leerTüröffnung & Innenhöhe beachten

Sicherheits- und Normrahmen

  • IMO – CTU Code
  • CSS-Code (IMO): Standard zur sicheren Stauung
  • CSM: Schiffsspezifisches Sicherungshandbuch
  • Terminalvorgaben: Tankstand, Batterie, Fotoprotokoll

Checkliste: In 12 Schritten zur richtigen Wahl

  1. Fahrzeug exakt messen (inkl. Anbauten)
  2. Gewicht & Achslast notieren, VIN-Foto
  3. Rollfähigkeit & Bodenfreiheit prüfen
  4. Verfahren abgleichen (Maße, Aufbau)
  5. Routen & Abfahrten prüfen
  6. Dokumente vorbereiten
  7. Innenraum leeren
  8. Tankstand & Batterie prüfen
  9. Fotoprotokoll erstellen
  10. Transportversicherung checken
  11. Cut-offs bestätigen, Packtermin buchen
  12. Anlieferung pünktlich durchführen

Praxisbeispiele

  • Kastenwagen ~2,55 m: Container möglich
  • Alkoven mit Dachzelt >2,70 m: RORO
  • Expeditionsmobil: RORO
  • Vollausbau-Van: Container bei passenden Maßen

Operationaler Ablauf im Hafen

RORO – Handover

  1. Check-in am Gate
  2. CCR-Protokoll & Übergabefotos
  3. Stellplatz zuweisen, Schlüssel abgeben
  4. Verladung & Sicherung nach CSM

Container – Packprozess

  1. Container bereitstellen
  2. Zurrung mit Gurten & Holzkeilen
  3. Plombieren & Packliste beilegen
  4. Gate-In ins Terminal

Kostenfaktoren (ohne Preise)

  • Maße & Methode
  • Route & Hafenrotation
  • Terminalhandling
  • Zoll & Dokumente
  • Versicherung

Entscheidungsmatrix

Wenn Sie ≥ 3× „Ja“ in einer Spalte ankreuzen, ist das Verfahren meist gesetzt.

FrageROROContainer
Höhe > 2,65 m oder Dachaufbauten?
Maximale Abschottung gewünscht?
Türöffnung 40’HC realistisch?
Fahrzeug sehr breit/überbaut?
Packstation gut verfügbar?
Schneller Hafenprozess gewünscht?

Disclaimer: Alle Informationen in diesem Beitrag sind sorgfältig recherchiert, können sich jedoch jederzeit ändern. ODS Orient übernimmt keine Haftung für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen.

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